17. Januar 2007
Bäume pflanzen und Hoffnung säen
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Johanniter helfen Kindern und Jugendlichen in Rumänien
Der monatliche Durchschnittslohn in Rumänien beträgt 200 Euro. Die junge Witwe muss sich und ihre fünf Kinder mit nur 50 Euro durchbringen. Mehr als eine Orange hätte sie jedem von ihnen nicht schenken können zu Weihnachten, sagt sie. Nun aber strahlen die Kleinen, naschen Schokolade und packen außer sich vor Freude Spielzeug aus. Das war 2005. In diesem Jahr wird es wieder leuchtende Kinderaugen geben. In zehn Tagen macht sich der Weihnachts Truck der Laufer Johanniter erneut auf zu seiner fast schon traditionellen Reise nach Osteuropa. Beladen mit Hilfsgütern fuhr er vor sechs Jahren erstmals die 1400 Kilometer lange Strecke in die Region Bistritz. Jetzt schnüren die Helfer wieder an die 50000 Pakete, denn nach wie vor ist die Not groß in dem kargen, abgelegenen Teil Transsylvaniens, dem Land hinter den Wäldern, der Heimat "Draculas".
Daran wird auch die Mitgliedschaft Rumäniens in der Europäischen Union (EU) nichts ändern. Im Gegenteil, alles ist jetzt schon viel teurer geworden. Die Lebenshaltungskosten steigen und steigen und die Ärmsten der Armen kommen immer mehr unter die Räder. Direkte Hilfslieferungen sind nach wie vor unverzichtbar.
Der Journalist Armin Jelenik und sein rumänischer Freund Alin Uhlmann-Useriu, aber wollen mehr. Sie wollen hineinwirken in die Gesellschaft und Strukturen verändern. Das über 30 Jahre währende Ceausescu-Regime hat die tragende Säule der Gesellschaft, die Mittelschicht eliminiert und das Ehrenamt pervertiert. Ein Kahlschlag, von dem sich das Land bis heute nicht erholen konnte.
Schüler vom Hans-Sachs-Gymnasium halfen
Um etwas zum besseren zu wenden, braucht es ein neues Bewusstsein und dafür muss man die Jugend gewinnen sagten sich Jelenik und Uhlmann-Useriu. Sie wollten einen Ort schaffen, an dem freiwilliges Engagement wieder einen Stellenwert hat und sich Kinder und junge Menschen in sozialer Verantwortung üben können. Um diesen Plan zu verwirklichen, gründeten die beiden 2001 den Verein Tasuleasa Social. Ein geeignetes Terrain war schnell gefunden, Piatra Fintinele, ein winziges Dörfchen in den rumänischen Karpaten.
Hier wächst ein internationales Jugendbegegnungs- und Bildungszentrum, eine Keimzelle für eine Gesellschaft mit menschlichem Antlitz. Zwei Wirtschaftsgebäude stehen schon, ein drittes ist gerade im Bau. Im Frühjahr kommt ein Sanitärtrakt hinzu. Mehrere Hundert rumänische und deutsche Schüler - auch aus dem Hans-Sachs Gymnasium - haben hier schon gemeinsam ganz praktisch Hand angelegt und beispielsweise auf fast neun Hektar Land Tausende von Bäumen gepflanzt Die Aufforstung ist dringend notwendig, denn in der einst so waldreichen Gegend dezimierten Holzdiebe den Baumbestand so radikal, dass dort mittlerweile überall Hochwassergefahr besteht.
Unter der Regie von Uhlmann-Useriu, der die Arbeit vor Ort koordiniert, mausert sich Fintinele zum Vorzeigeobjekt, mit geschotterten Straßen, der ersten Drei-Kammer-Kläranlage im Landkreis Bistritz und einer funktionierenden Müllabfuhr. Inzwischen hat sogar das nationale Fernsehen einen großen Filmbeitrag darüber ausgestrahlt.
Die rumänischen Kinder und Jugendlichen rennen Uhlmann-Useriu die Bude ein. Alle wollen mitmachen. Und auch an Behinderte und Waisenkinder wird gedacht. Sie sollen für kurze Zeit aus den oftmals riesigen und anonymen staatlichen Heimen herausgelöst und speziell gefördert werden - mit Erlebnispädagogik in unberührter Natur. 200.000 Euro Geld- und Sachspenden haben die beiden Initiatoren bisher investiert. Monatlich mindestens 450 Euro sind notwendig, um das erfolgreiche Jugendprojekt zu erhalten und kontinuierlich weiterzuentwickeln, sagt Jelenik, und dass es sehr schwierig ist, das Geld aufzubringen.
Veröffentlicht in: Nürnberger Zeitung


























