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Aus der Presse

25. Juli 2007

Fränkische Jugendliche bekämpfen Holzdiebe in Rumänien

Harte Arbeit: Für jeden Setzling muss in den harten Bergboden ein Loch gehackt werden. So wird es gemacht: Ein Förster zeigt den rumänischen und deutschen Jugendlichen, wie die Setzlinge gepflanzt werden.

PIATRA FINTINELE — Wer es bis zwei oder drei Uhr nachts am wärmen­den Lagerfeuer aushält, kann sie erle­ben – die Rushhour der Pferdefuhr­werke. Aus dem dunklen Wald ist leise das Schnauben von Pferden zu hören, das Geschirr der Tiere klirrt, Peitschen schnalzen. Und in den un­vergleichlich schönen Vollmondnäch­ten in den Karpaten sind sie auch zu sehen, die langen Karren, die von dampfenden Pferden über die Hügel gezogen werden.

Nacht für Nacht macht sich aus dem kleinen Bergdorf Piatra Fintinele eine kleine Armada von Fuhrwerken auf in die unwegsamen Bergwälder. Hier sagen sich noch die größte Bä­ren- und Wolfspopulation Europas „Gute Nacht“, doch eines der letzten Naturparadiese des Kontinents ist bedroht: Jedes Gespann verlässt den Wald einige Stunden spä­ter schwer beladen mit vier bis sechs dicken Fichten­oder Kiefernstämmen.

Frevel an der Umwelt

Die Ergebnisse des Um­weltfrevels sind am nächs­ten Morgen zu besichtigen. „Der Wald auf dem Hügel dort drüben ist seit mei­nem letzten Besuch zu einem Viertel abgeholzt worden“, erklärt Lorand Szüszner, Ortsbeauftrag­ter der Johanniter im mit­telfränkischen Lauf. Zu­sammen mit Alin Uhl­mann- Useriu baut er in Pia­tra Fintinele ein Begeg­nungszentrum für rumä­nische und deutsche Ju­gendliche auf. Alle paar Wochen sind die beiden vor Ort — und entdecken jedes Mal mit Schrecken neuen Kahlschlag.

Vor drei Jahren wurde es den beiden zu bunt: Seit­dem laden sie regelmäßig deutsche und rumänische Jugendliche ein, die sich gemeinsam für den Natur­schutz engagieren. Dies­mal sind 25 Schüler und Studenten aus dem Groß­raum Nürnberg gekommen, um mit 50 gleichgesinnten Rumänen ein ab­geholztes Waldstück aufzuforsten. Hacken sausen in den schweren Bo­den, das dichte Berggras, das den Hügel überwuchert hat, will den Löchern für die Setzlinge nicht wei­chen. Eine Knochenarbeit, einmal bei brütender Hitze, dann wieder bei kal­ten Regenschauern, doch den Jugendli­chen macht der Einsatz für die Natur sichtlich Spaß.

„Eine tolle Aktion“

„Das ist eine tolle Aktion“, freut sich Christina Ellmann, Vorsitzende des Nürnberger Vereins „Freuden­feuer“, die die Fahrt nach Rumänien organisiert hat. Sogar einige rumäni­sche Jugendliche machen mit, die noch einige Tage zuvor illegal im Wald Bäume gefällt haben. „Einige werden umdenken, und wenn einer von ihnen nicht mehr Holz klaut, dann ist schon viel erreicht“, meint Robert Müller, der die Gruppe beglei­tet und sich als Forstwirtschaftsmeis­ter im Walderlebniszentrum in Ten­nenlohe bei Erlangen bestens mit Na­turschutzpädagogik auskennt.

Seine Begeisterung wirkt allerdings längst nicht auf alle ansteckend. Plötz­lich mauern die rumänischen Förster, die mit der Gruppe zusammen­arbeiten sollen. Die Aktion war zwar mit ihren Vorgesetzten abgesprochen, doch auf einmal gibt es statt der versprochenen 10000 Setzlinge nur ganze 5000.

Alin Uhlmann-Useriu, in Lauf le­bender Rumäne, weiß nur zu gut, wo­her der Widerstand kommt: „Die offi­ziellen Forststatistiken sagen, dass in Rumänien nur zehn Prozent der Bäu­me pro Jahr gefällt und alle Flächen dann wieder aufgeforstet werden — da ist eine Aktion, bei der deutlich wird, dass die Realität ganz anders aus­sieht, natürlich unbequem.“ Was nicht sein darf, findet offiziell nicht statt — schließlich ist Rumänien erst seit Anfang des Jahres in der EU und will sich in Brüssel nicht gleich als Umweltsünder unbeliebt machen.

Doch durch die Aktion der deut­schen und rumänischen Jugendlichen lässt sich das Thema nicht mehr so ein­fach unter der Decke halten: Das ru­mänische Fernsehen kommt und filmt die jungen Naturschützer bei der Arbeit. Publicity, die alles andere als förderlich ist für das Geschäft mit dem illegal geschlagenen Holz.

Denn es sind nicht nur ein paar ar­me Bergbauern mit ihren Fuhrwer­ken, die daran verdienen: 20 von ihnen können nach Uhlmann-Userius Berechnungen in einem Jahr bis zu 300 Hektar Wald abholzen. Doch sie erledigen nur die Drecksarbeit in den unwegsamen Wäldern, das große Geld wird anderswo gemacht. Auf einem Parkplatz warten große Lastwagen und übernehmen die Stämme. Dann geht die wertvolle Fracht angeblich ans Schwarze Meer, wo sie in arabi­sche Länder verschifft wird. Und die gut geschmierten Autoritäten vor Ort drücken alle Augen zu.

Mit tödlichen Konse­quenzen: Bei einem Hoch­wasser im Landkreis Bis­trita- Nasaud, in dem auch Piatra Fintinele liegt, star­ben im vergangenen Jahr 18 Menschen. Die Natur hatte in dem betroffenen Tal den 130 Litern Wasser pro Quadratmeter, die plötzlich innerhalb we­niger Minuten herabregne­ten, nichts mehr entgegen­zusetzen. Der Bergwald, der das Wasser hätte auf­fangen können, war längst abgeholzt. Uhlmann-Use­riu appelliert daher an den Rest des Kontinents, nicht wegzusehen, wenn eine der letzten Wildnisse in Eu­ropa zerstört wird: „Wenn die extremen Wetterlagen bei uns zunehmen, dann wird das Auswirkungen für ganz Europa haben.“

Veröffentlicht in: Nürnberger Nachrichten

Fotos: Cosmin Bumbut - Text: Armin Jelenik/Nürnberger Nachrichten

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