Hier dreht sich alles um Kinder und Jugendliche
Träger des Jugendprojektes Fintinele ist der Verein Tasuleasa Social, der ins rumänische
Vereinsregister eingetragen ist und von zwei Mitgliedern der Johanniter in Lauf bei Nürnberg
im Jahr 2000 gegründet wurde. Hauptaufgabe des Vereins ist der Aufbau eines internationalen
Jugendbegegnungs- und Bildungszentrums in den rumänischen Karpaten in dem kleinen Ort Piatra
Fintinele bei Bistrita. Auf einem in wunderschöner Berglandschaft gelegenen, 2,5 Hektar großen
Grundstück in 1100 Metern Höhe entsteht ein Gebäudekomplex, in dem Jugend- und Sozialarbeit
geleistet werden kann, wie sie bislang in Rumänien nicht möglich war. Das Projekt wird ausschließlich
über Geld- und Sachspenden finanziert.
Auf dem Gelände sollen vier zweistöckige Holzhäuser gebaut werden, in denen jeweils zehn bis
zwölf Gäste wohnen können. Im Erdgeschoss sind Wohnzimmer und Teeküche vorhanden, im ersten Stock
befinden sich die Schlafzimmer. Jedes Haus hat eine eigene Terrasse, auf dem Gelände befinden
sich zudem ein Sanitärgebäude, ein zentrales Küchengebäude sowie ein Lagerfeuer- und Sportplatz.
Eine der Hütten ist behindertengerecht ausgebaut. Zudem gibt es ein Werkstattgebäude, in dem Holz-
und Metallverarbeitung sowie eine Wohnung für den Verwalter des Geländes untergebracht sind.
Die Mitarbeiter der Werkstatt errichten die Holzhäuser und sind für den Bauunterhalt des Projektes
verantwortlich.
Derzeit sind die Werkstatt, ein Küchengebäude sowie zwei Hütten fertiggestellt. Zudem wurden zahlreiche Arbeiten an der Infrastruktur durchgeführt, beispielsweise ein Drei-Kammer-Klärwerk gebaut, die Zufahrt zu dem Projektgelände saniert und ein Stromanschluss gelegt. Insgesamt wurden bislang rund 200.000 Euro an Geld- und Sachspenden investiert, die zu einem großen Teil in die lokale Wirtschaft geflossen sind und Arbeitsplätze geschaffen haben. Die Einrichtungen werden bereits von deutschen und rumänischen Gruppen intensiv genutzt, die beispielsweise für Workcamps und Aufforstungsaktionen in den nahen Wäldern auf das Gelände kommen.
Kinder und Jugendliche in Rumänien:
Warum es so wichtig ist, mit ihnen pädagogisch zu arbeiten
Anders als in Deutschland gibt es in dem von Jahrzehnten faschistischer und sozialistischer Diktatur verstümmelten Gesellschaft bislang kaum Orte, an denen mit Kindern- und Jugendlichen pädagogisch intensiv gearbeitet werden kann. Diese Lücke will das Projekt in Piatra Fintinele füllen und dabei sowohl für behinderte und Waisenkinder aktiv werden wie für nicht-behinderte Kinder aus intakten Familien.
Behinderte und Waisenkinder sollen für kurze Zeit aus den oftmals riesigen und anonymen
staatlichen Heimen herausgelöst werden. In kleinen Gruppen, angeleitet von ihren Betreuern,
sollen sie in einem "pädagogischen Reizklima" intensive Selbst- und Gruppenerfahrungen machen
können, die so im Massenbetrieb der meisten staatlichen Heime nicht möglich sind.
Erlebnispädagogische Maßnahmen in der unberührten Natur von Fintinele spielen dabei
ebenso eine große Rolle wie soziales Lernen, beispielsweise durch die gemeinsame Gestaltung
und Strukturierung des Tages, gemeinsames Kochen, Spielen und Erleben.
Die Verantwortung für die Gruppe und die Gestaltung des Aufenthalts, der in der Regel
zwei Wochen dauern soll, liegt bei den Erziehern aus den Heimen. Mehrere rumänische Heime,
die nach dem Umsturz in Rumänien 1989 kaum noch Geld zur Verfügung haben, um derartige
Programme zu finanzieren, haben bereits Interesse an einem Aufenthalt gezeigt. Die Heime
müssen lediglich den Transport nach Fintinele und die Betreuung durch die Erzieher
bereitstellen, die Kosten für die Unterbringung werden von Tasuleasa Social getragen.
Ein mindestens ebenso wichtiges Anliegen des Vereins ist aber auch die Förderung der nicht-behinderten Kinder und Jugendlichen aus intakten Familien. Denn nur mit Hilfe der jungen Generation, so die Überzeugung von Tasuleasa Social, wird es gelingen, dass Rumänien seinen Platz in Europa findet und nicht länger eines der Armenhäuser des Kontinents ist.
Außerdem fördert das Projekt internationale Jugendbegegnungen, beispielsweise zwischen
deutschen und rumänischen Jugendlichen. Regelmäßig wird Fintinele von Schülern und Lehrern
der "Schülerinitiative Rumänienhilfe" besucht, einem Zusammenschluss bayerischer Gymnasien,
die den Aufbau des Projektes fördern, aber auch mit Hilfsgütern die Sozialarbeit
der Johanniter und Tasuleasa Social in den umliegenden Gemeinden unterstützen.
Fintinele steht aber auch rumänischen Gruppen offen, die sich für wichtige gesellschaftliche Themen engagieren. Das Begegnungszentrum bietet sich für Work- und Umweltcamps sowie kulturelle Veranstaltungen an. Kurz gesagt: Fintinele ist ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, die in Rumänien etwas verändern und bewegen wollen.

























